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KfW-40-Haus mit begrüntem Dach

Mineralwolle-Dämmung sorgt bei geneigtem Gründach für Energieeffizienz
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Das begrünte Dach sorgt für ein Plus an Wohnkomfort und leistet einen wichtigen Beitrag zur Energiebilanz des KfW-40-Hauses in Hemslingen
Foto: Lars Behrendt

Begrünte Dächer gibt es immer mehr, oft genug fast unbemerkt, denn vor allem Flachdächer werden gern begrünt. Doch auch auf einem geneigten Dach lohnt sich eine Begrünung, wenn einige wichtige Grundregeln bei der Abdichtung und Befestigung beachtet werden, wie beim Bau eines Einfamilienhauses im niedersächsischen Hemslingen. Für Energieeffizienz sorgt hier eine Mineralwolle-Dämmung an Dach und Fassade.

Mitten im Grünen, am Rande der Lüneburger Heide, entstand das komplett in Holzrahmenbauweise errichtete Wohnhaus, dessen Besitzer – selbst ein erfahrener Planer – viel Wert auf die Nachhaltigkeit des als KfW-40-Haus geplanten Hauses legte. So wurden zum Beispiel die Außenwände mit einer zweilagigen Mineralwolle-Dämmschicht (2 x 120 mm) gedämmt und auch im Schrägdach war höchste Energieeffizienz gewünscht. „Das gesamte Haus mit seinen rund 176 Quadratmetern Wohnfläche wurde unter ökologischen Gesichtspunkten geplant. Mein Ziel für die Fassade sowie das Schrägdach war z. B. ein U-Wert von 0,11 W/(m²K)“, so der Dipl.-Ing. (FH) Frank Ziech, Geschäftsführer der DIEBAUREGIE GbR.

Mineralwolle-Kern schützt Haus vor Energieverlust

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Ein U-Wert von 0,11 W/(m²K) war das ehrgeizige Ziel des Bauherrn. Um die Dämmleistung des Schrägdaches noch einmal zu erhöhen, wurde die Zwischensparrendämmung durch eine 60 mm dicke Aufsparrendämmung aus Mineralwolle ergänzt
Foto: Lars Behrendt

Dass das Schrägdach mit einem Neigungsgrad von 15 Grad etwas Besonderes ist, wird schon auf den ersten Blick deutlich: Bis auf einen schmalen Randstreifen wurde die gesamte, rund 140 Quadratmeter große Dachfläche extensiv begrünt und unterscheidet sich damit auffällig von denen der Nachbargebäude. Doch auch die inzwischen nicht mehr sichtbare Dachunterkonstruktion hat es in sich: Um das ehrgeizige Energieeffizienzziel zu erreichen, erhielt die Konstruktion eine schützende Dämmung aus insgesamt 300 mm nichtbrennbarer Mineralwolle mit einer effizienten Wärmeleitfähigkeit von λ = 0,035 W/(mK). Die 240 mm tiefen Sparren aus Fichtenholz wurden zum Raum hin mit OSB-Platten bekleidet. Der komplette Zwischensparrenraum wurde dann mit Mineralwolle-Dämmfilz in zwei Lagen (2 x 120 mm) ausgefüllt. Diese elastische Dämmung schmiegt sich fugenfrei an die Sparren und gewährleistet so eine weitgehend wärmebrückenfreie Dämmung.

Zusätzliche Aufsparrendämmung erhöht die Dämmleistung

Um die Dämmleistung des Schrägdaches noch einmal zu erhöhen, wurde die Zwischensparrendämmung durch eine 60 mm dicke Aufsparrendämmung ergänzt. Hierfür wurden zunächst im Bereich der Dachüberstände Latten in Dämmdicke auf die Sparren genagelt, um die gleiche Aufbauhöhe zu erreichen. Anschließend wurden die Dämmplatten aus Mineralwolle mit bereits aufkaschierter Unterdeckbahn im Format 2.000 x 600 mm auf den Sparren verlegt. Die Platten der untersten Reihe wurden dabei wie üblich gegen die als Fußpunkt wirkende aufgenagelte Latte gestoßen, die weiteren Platten im Verband darüber verlegt. Die vertikalen Überlappungen der wurden anschließend in einem Arbeitsschritt mit den aufkaschierten Selbstklebestreifen unter der Unterdeckbahn sicher verklebt.

Die Fixierung der Dachdämmplatten erfolgte über Konterlatten (60 x 40 mm), die mit Doppelgewindeschrauben mechanisch befestigt wurden. Ein wichtiges Detail: Die Schrauben wurden wechselseitig mit einer Einschraubhilfe in einem Winkel von exakt 60 Grad eingeschraubt. Auf diese Weise wird eine optimale Lastabtragung gewährleistet.

Dachbegrünung leicht gemacht

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Die Außenwände des Hauses erhielten ebenfalls eine Dämmung aus Mineralwolle
Foto: Lars Behrendt

Die nächsten Arbeitsschritte bildeten dann bereits die Vorbereitungen für die Begrünung des Daches. Als Basis wurde hierfür zunächst eine 24 mm dicke Rauspundschalung auf die Konterlatten genagelt. Auf ihr wurden in einem nächsten Arbeitsschritt eine PVC-Abdichtungsbahn und eine spezielle Durchwurzelungsbahn ausgerollt sowie Wasserspeicherplatten mit einem Speichervolumen von 50 l/m2 verlegt. Darauf folgte eine 80 mm dicke Schicht Substrat sowie die Begrünung mit verschiedenen Gewächsarten.

Die Vorteile eines in dieser Form begrünten Daches sind für Frank Ziech stichhaltig: „Ein begrüntes Schrägdach leistet einen wesentlichen Beitrag zur Energieeffizienz. Zudem hat die gesamte Dachkonstruktion unter einem Gründach eine längere Lebensdauer, da sie vor UV-Strahlung und anderen Umwelt- und Witterungseinflüssen sowie Temperaturdifferenzen geschützt wird. Und schließlich bedeutet ein Gründach für die Bewohner einen deutlich verbesserten Schall- und Wärmeschutz, also ein Plus an Wohnkomfort. Bei einer sommerlichen Außentemperatur von etwa 30 °C herrscht auf der Dachinnenseite eine Temperatur von circa 17 °C. Im Winter bei minus 10 °C außen sind auf der unbeheizten Dachinnenfläche immer noch Temperaturen im Plus-Bereich zu messen.“

Wichtiges Planungselement: die Dachneigung

Im Gegensatz zur klassischen Flachdachbegrünung muss auf dem Schrägdach zusätzlich über eine möglicherweise notwendige Befestigung der Begrünung nachgedacht werden. Grundsätzlich sind Begrünungen für alle Dachformen und Dachneigungen bis zu 45 Grad möglich. In Gefällerichtung entwickeln sich jedoch Schubkräfte, die je nach Neigung, Aufbauhöhe und Gefällelänge aufgefangen werden müssen, um ein Abrutschen der Vegetationsschicht zu verhindern. Bei Dächern mit einer Neigung bis acht Grad kann der Dachaufbau analog zum Flachdach erfolgen. Bei größeren Neigungen sind spezielle Drainelemente oder Durchwurzelungsbahnen erforderlich. Über 25 bis 30 Grad sind Rasterelemente zur Stabilisierung einzusetzen. Die Fachvereinigung Bauwerksbegrünung e. V. empfiehlt, zusätzlich Schubschwellen ab 20 Grad Dachneigung mindestens alle zehn Meter und ab 25 Grad mindestens alle acht Meter einzusetzen.

Bautafel

Bauherr, Planung: Dipl.-Ing. (FH) Frank Ziech, DIEBAUREGIE GbR, Bremen/Hamburg

Rohbau und Dachdämmung: Bockelskamper Zimmerei- & Holzbau GmbH, Bockelskamp

Quelle: www.der-daemmstoff.de

 

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